Digital Art Poetry

Ein Revolution im Literaturbetrieb steht an.

compare_hero_ipad_retina

Für das e-Book wird es eine andere, neue Literatur geben, auch das Publizieren selber kann sich nicht direkt auf den Buchdruck beziehen und  überkommene Formen übernehmen. Die Simulation des Blätternd, die technisch möglich ist, erscheint überfällig.

Noch weniger ist es sinnvoll,  eigentlich für den Buchdruck vorgesehene Literatur jetzt der neuen Software irgendwie unterzuschieben, weil sie da ist, weil sie angeboten wird und das modern erscheint.

Texte in den neuen Medien, die nicht mehr an den Buchstaben gebunden sind, werden anders aussehen, als die Literatur, die die Tradition des Buchdrucks vorlegte.

Für eine “digital art poetry“ wird es um das Benennen gehen. Dabei hat sie die Möglichkeit, den poetischen Vortrag durch einen Sprecher einzubeziehen, der sich selber mit Musik begleitet oder durch andere begleiten lässt, und ebenso sind Ergänzungen durch Bilder, Filme und Videos angesagt.

Dazu muss „digital art poetry“ aber sprachlich und stilistisch geeignet sein:

Sie wird sich  kurz fassen und eine Art Konzentrat des Inhalts und Ausdrucks darstellen, denn man kann im iPad Authoring Programm über Hyperlinks dem Leser, der das braucht und wünscht, jederzeit ausführliche Erklärungen und Erläuterungen anbieten.

Braucht es eine “story”? Noch eine mehr hinzugefügt zu den vielen anderen, die in der täglichen Informationsflut und mit der Unterhaltungsindustrie unsere Köpfe und Seelen befrachten? Geht es nicht sehr viel mehr darum, dass wir unsere eigene Story begreifen wollen und dass dazu Text uns anleiten?

“Digital art poetry” kann sich rhythmisch orientieren, Beschreibungen von Orten, Farben, Bildern erübrigen sich, da diese jederzeit über Widgets durch Bilder und Demonstrationen ersetzt werden können. Sie kann in ihren Darstellungsprinzipien zurückgehen zu den alten Zeiten der Literaturpräsentation auf den Marktplätzen und den Innenhöfen der Burgen und dabei doch über die neuen Medien international kommuniziert werden: als Text, als Text plus Ton (audiobook) und als Text plus Ton plus Bild Video, ganz wie der Rezipient es möchte.

 

Viele, wenn auch nicht alle, belletristische Titel werden zur Zeit auch als e-Book oder iBook angeboten.

Der Vorteil für den Leser, der sich traut, seine alten Gewohnheiten abzulegen, ein gedrucktes Buch zu lesen, und zum Tablet zu greifen, ist leicht ersichtlich: das Buch ist sofort da, sobald es gekauft wurde.

Es lässt sich in verschiedenen Schriften und Farbstellungen lesen (nachts gerne auf schwarzem Hintergrund), Notizen können leicht verlinkt werden und erscheinen auf einem extra Bildschirm gesammelt und sofort erreichbar. Lege ich das Buch aus der Hand, so muss ich mich nicht sorgen: wieder eingeschaltet bin ich genau da, wo ich aufgehört habe. Auch habe ich alle meine Bücher immer beim mir auf dem Tablet. Ich muss sie nicht schleppen und riesige Regale damit füllen.

Wie viel Miete würde ich sparen, wenn nicht immer noch – total museal, aber darin steckt die meine literarische Vergangenheit – meine Räume mit Bücherregalen vollgestellt wären!

Ja, ich bin auf das e -Book umgestiegen und bin froh darum.

Ich lese auch noch Bücher, weil sie da sind oder als e – Books  noch nicht da sind, aber nur dann und deshalb. Ich kann zunächst einmal doch auf das Buch auch verzichten. Selbst mein Bedürfnis nach Taktilem erfüllen die Tablets sehr wohl – besonders das iPad mit seinem wunderschönen Styling.

Unknown-1Ein Aber ist zu erwarten: Denn die meisten der belletristischen und literarischen Titel sind zu ihrer Zeit sowieso und auch heute gerne noch für ein gedrucktes Buch geschrieben.

Die Autoren hatten das Layout eine Buchverlages vor Augen, als sie den Text zu ihrem Lektor gaben. Sie hatten mit einer e -Book Ausgabe nicht gerechnet und natürlich  nicht rechnen können.

 

Alte Bücher, traditionelle Literatur besser nicht als e-Book oder iBook?

Eindeutig ist das bei Texten von Hölderlin und Rilke zum Beispiel: Rilke Gedichte auf dem e-Book? Da sträuben sich mir die Haare, und ich versuche, jetzt gerade, noch ein schönes altes Exemplar, am besten eine Erstausgabe, als Buch zu bekommen.

hölderlin

Und nein: auf meine grüne Hölderlin Gesamtausgabe möchte ich nicht verzichten – und ich würde sie auch nicht als e-Book akzeptieren und herunterladen. Diese Poesie gehört einer anderen Zeit an: wie mühsam und sorgfältig hatte doch damals Hölderlin seinen handschriftlichen Text verbessert, noch einmal verbessert und wieder durchgestrichen und überschrieben!

Und wie viel Sorgfalt, Arbeit, germanistisches Wissen und Forschung ist in diese Ausgabe eingegangen, die sperrig und zugleich irgendwie majestätisch in meinem Bücherregal herausragt.

Dostojewski „Schuld und Sühne“ habe ich als kostenloses Download bei Amazon gelesen, weil das im Urlaub so praktisch war und ich mein Buch nicht zur Hand hatte: es ging schon, vielleicht aber wäre mir  mein Buch zu Hause dann doch lieber gewesen. Auch hier gilt: dieser Text in einer anderen Zeit für eine andere Art von Publikation gemacht. Es gebietet die Ehrfurcht davor, vor der zeitlichen Distanz, diesem ganz anderen Denken, dieser ganz anderer Wirklichkeit damals diesen Text als gedrucktes buch zu lesen.

 

Die Umwandlung von älteren gedruckter Bücher: macht das Sinn?

Amazon ist dazu übergegangen, viele Paperbook Bücher auch als eBooks anzubieten, circa 20% billiger als die gedruckten Bücher und sofort erreichbar auf dem Display der Kindl App.

Das Problem aber dabei ist, dass die Verlage gehen sehr häufig immer noch vom alten Buchlayout ausgehen und oft unzureichend die besonderen Bedingungen des eBooks  berücksichtigen.

Sicher, vor allem einen Text in das e-Pub Format, das Amazon/Kindl erwartet, zu bringen, ist nicht ganz einfach, aber es ist machbar: nur das Layout des e-Books muss anders konzipiert werden als das gedruckte Buch. Das erfordert ein Umdenken. Zeilen einrücken: besser nicht, Vorworte besser nach hinten, Impressum besser nach hinten usw.

Ein Buch, wie das der Büchner – Preisträgerin Felicitas Hoppe „Hoppe“, ist dann vor allem deshalb ärgerlich als e- Book zu lesen, weil es sich den e-Book Bedingungen überhaupt nicht anpasst. Wollte der Verlag dem e – Book Leser empfehlen, doch besser beim gedruckten Buch zu bleiben?

 

Multimedia Möglichkeiten im iBook geben ein ganz neues Format des Buches vor.

Dem ePub Format absolut überlegen ist das Apple Authoring – Programm mit seinen Layout Vorgaben. Hier findet ein neues Veröffentlichungskonzept seine Heimat, das kann das elektronische Buch – und das sollte es können!

apple authoringDie Kapitel sind übersichtlich angeordnet leicht zu wählen. Internet-Links sind ebenfalls klar bestimmt und gut zu erreichen.

Vor allem aber: es kann inzwischen nicht mehr nur darum gehen, ein gedrucktes Buch auch auf dem Tablet zu lesen. Das neue iBook – und das e-Book von Amazon/Kindle noch nicht – kann über Widgets Musik, Photos und Videos aufnehmen, so dass ein Multimedia Produkt entsteht, das weit mehr ist als bloss ein Buch.

Dieses Format wird inzwischen von vielen vor allem Sachbüchern genutzt und hat dort Erfolg, denn die Möglichkeiten sind vielfältig.  Übersichtlich lassen sich Kommentare einfügen, Bildergalerien einblenden, dazu Musik eingeben und und Sprache, auch Lieder und jede Art von Videos und filmen sind möglich. Es ist ein hervorragendes Multimedia-Instrumentarium !

 

Revolution in der neuen Literatur?  

Es wird sie geben – sie steht vor der Tür – aber der Literaturbetrieb möchte sie gerne noch verleugnen. Man könnte auch sagen: sie fleht um Aufschub und weiß gleichzeitig, dass es ihn nicht geben wird. Zu groß sind die Umwälzungen, die anstehen, denn das alte Verlagssystem wird dann zusammenbrechen  – bald bankrott sein – so wie es viele Zeitungsverlage heute schon sind.

Vor allem aber: dieses iBook braucht andere Texte, ein anderes Schreiben, eine Befreiung von dem, was Literatur einmal war – die gedruckte Literatur, das gedruckte Buch, das Gutenberg zeitalter ist zu Ende – und eine Hinwendung zu multimedialen Formen, in denen es um Rhythmus geht, um komplexes Zusammengehen der Texte mit Bildern und Videos. Es gilt jetzt zu experimentieren, neu zu erfinden: Aufbruch in eine Poesie, die mit dem, was gestern war, sehr viel zu tun hat – weil es die Traditionen sind, aus denen Formen sich entwickeln – und auf der anderen Seite gar nichts mehr. Sehr viel näher scheint da jetzt die Präsentation von Texten im Mittelalter, bei Walther von der Vogelweide: gesungen, gespielt, getanzte Texte, die erst von nach mündlicher überliefert aufgeschrieben wurden.

Ein neues Lesen, eine neue Rezeption von Poesie/Poetry  wird  es geben müssen. Allerdings muss man sich nicht wirklich Sorgen um den Leser machen, denn der alte Leser ist meistens alt und die Jüngeren lesen selten oder gar nicht, sie dürften an den Computer und das Tablet gewöhnt, offen sein, für eine ganz andere, elektronische Übermittlung von Poesie.

 

IMG_0524Rolf Dieter Brinkmann als früher Prophet des iBooks

Was hätte Rolf Dieter Brinkmann (1940 -1975) wohl darum gegeben, wenn ihm eine iBook Authoring Software zur Verfügung gestanden hätte?                                                                                           In seinem Buch „Film in Worten“ ist er ganz sicher der geniale und geradezu prophetische Vordenker von einer Publikationsform, wie sie durch das iBook  jetzt erst, 43 Jahre nach seinem Tod, möglich geworden ist.

Vielleicht ist es reizvoll, sein Projekt nachträglich auf das iPad zu übertragen.

Tragisch ist in jedem Fall, dass er an der Tatsache, dass er historisch zu früh war, um einen Erfolg seines Talentes und seines Werkes erleben zu können und nicht an einem Scheitern zu verzEin Aber ist zu erwarten:

 

Denn die meisten der belletristischen und literarischen Titel sind zu ihrer Zeit sowieso und auch heute gerne noch für ein gedrucktes Buch geschrieben.

Die Autoren hatten das Layout eine Buchverlages vor Augen, als sie den Text zu ihrem Lektor gaben. Sie hatten mit einer e -Book Ausgabe nicht gerechnet und nicht rechnen können.

 

Eindeutig ist das bei Texten von Hölderlin und Rilke zum Beispiel: Rilke Gedichte auf dem e-Book? Da sträuben sich mir die Haare, und ich versuche, jetzt gerade, noch ein schönes altes Exemplar, am besten eine Erstausgabe, als Buch zu bekommen.

Und nein: auf meine grüne Hölderlin Gesamtausgabe möchte ich nicht verzichten – und ich würde sie auch nicht als e-Book akzeptieren und herunterladen.

Dostojewski „Schuld und Sühne“ habe ich als kostenloses Download bei Amazon gelesen, weil das im Urlaub so praktisch war und ich mein Buch nicht zur Hand hatte: es ging schon, vielleicht aber wäre mir  mein zu Hause dann doch lieber gewesen.Aber die Umwandlung von Titeln, die eigentlich Buchtitel sind, zeigt noch ein andere Problem: die Verlage gehen sehr häufig immer noch vom alten Buchlayout aus und gehen selten oder unzureichend auf die besonderen Bedingungen des e – Books ein.Sicher, vor allem einen Text in das e-Pub Format, das Amazon/Kindl erwartet, zu bringen, ist nicht ganz einfach, aber es ist machbar: nur das Layout des e-Books muss anders konzipiert werden als das gedruckte Buch. Das erfordert ein Umdenken.

Zeilen einrücken: besser nicht, Vorworte besser nach hinten, Impressum besser nach hinten usw. Ein Buch, wie das der Büchner – Preisträgerin Felicitas Hoppe „Hoppe“, ist dann vor allem deshalb ärgerlich als e- Book zu lesen, weil es sich den e-Book Bedingungen überhaupt nicht anpasst. Wollte der Verlag dem e – Book Leser empfehlen, doch besser beim gedruckten Buch zu bleiben?Dem ePub Format absolut überlegen ist das Apple Authoring Programm mit seinen Layout Vorgaben.

Hier kann ein neues Konzept seine Heimat finden: die Kapitel sind übersichtlich angeordnet leicht zu wählen, Bilder und Videos können als Widgets sofort und ebenso übersichtlich integriert werden, erweiterte Informationen, Internet-Links sind ebenfalls klar bestimmt und gut zu erreichen. Vor allem aber: es kann inzwischen nicht mehr nur darum gehen, ein gedrucktes Buch auch auf dem Tablet zu lesen. Das neue iBook – und noch nicht das e-Book von Amazon/Kindle kann über Widgets Musik, Photos und Videos aufnehmen, so dass ein Multimedia Produkt entsteht, das weit mehr ist als bloss ein Buch. Was hätte Wolf Dieter Brinkmann (1940 -1975) wohl darum gegeben, wenn ihm eine iBook Authoring Software zur Verfügung gestanden hätte?

In seinem Buch „Film in Worten“ ist er der Vordenker von einer Publikationsform, wie sie durch das iBook jetzt erst, 43 Jahre nach seinem frühen Tod, möglich geworden ist.