Globale Literatur im eBook

 


Dem crossmedialen eBook gehört die Zukunft

 

Literatur im 21. Jahrhundert kann nur global agieren – gerade auch dann, wenn sie ihre Heimat in einer Sprache hat, die wie die deutsche nicht global gesprochen wird, die nicht den Anspruch erheben kann, überall verstanden zu werden.

Unsere täglichen Informationen sind global, die wirtschaftlichen Aktionen und Verflechtungen sind global und unsere häuslichen Probleme haben entweder globale Auswirkungen oder verdanken sich globalen Voraussetzungen und Strömungen.

Die Themen von Dichtern und Schriftstellern werden deshalb auch dann global orientiert sein, wenn sie sich anscheinend gar nicht weiter konkret verorten – gerade dann werden sie es sein, wenn sie sich naiv ästhetische gerieren und so tun, als ginge sie das Grosse und Ganze gar nichts an.

Videobild: Joerg Franzmann

(f lazydirektshot

Unsere globale Kommunikation aber verdankt sich dem Internet und ist damit genuin elektronisch. Dass das eBook deshalb die Konfigurationen bietet, die einer solchen Kommunikation entsprechen, ist  unbestreitbar.

Klar gibt es die ewig Gestrigen – sie weinen dem letzten Jahrtausend nach, dem Klappern der mechanischen Schreibmaschine oder noch besser: wie wollen das Handgeschriebene, das sich gut im engen Kämmerlein aufbewahren lässt, aber sich einer Vervielfältigung und globalen Veröffentlichung verweigert.

Eine reaktionäre Positionierung im Literaturbetrieb ist gerade jetzt im Herbst 2014 zu Buchmessezeiten deutlich und aktiv wie nie – aber sie bringt nichts nach vorne, sie ist nicht kreativ, im Gegenteil sie tritt auf der Stelle und schnürt neuen Gedanken die Luft ab.

Man würde ihn gerne behalten, den alten autoritären Verlag, mit der „bedeutenden Verlegerpersönlichkeit“, mit diktatorisch selbstbewussten Lektoren, die glauben, genau zu wissen und darüber bestimmen zu können, was „grosse Dichtung“ ist und was nicht, die sich als die wahren Herrscher des Literaturbetriebes verstehen.

Vor allem deshalb wollen sie es, weil sie an dem Machtgefüge der Verlage partizipieren, weil sei darüber verfügen, wer einen der Literaturpreise bekommt und wer nicht, um dann ihren Autor auszuloben. Welche Verbeugungen gegenüber dem Lektor waren für diesen vorher notwendig? Oder ihre schöne, junge Autorin vor die Kameras stellen, die jeden Schönheitswettbewerb gewinnen könnte und den Buchpreis erhält. Vielleicht erhält sie deshalb auch die Gunst der Leser oder Leserinnen, vor allen der älteren Generation ab 60, und ihre Bücher verkaufen sich gut?

Aber es lohnt nicht, gegen die Hüter des Althergebrachten, die Verwalter der Gutenberg Ära anzustreiten.

Ganz sicher werden nur noch wenige Verlage als museale Hüter der alten Buchprodukionen, vielleicht sogar mit schönen dem Alten nachempfundenen Ausgaben, überleben, und ebenso sicher werden vor ihnen noch die Zeitungen, die man noch blättern konnte, und mit ihnen die Kioske mit ihren Auslagen auf der Bildfläche verschwinden.

Keine Buchmesse kann das schön reden: es werden viele Arbeitsplätze verloren gehen, eine ganze Industrie muss umsatteln und umdenken.

Die Telefonhäuschen gibt es von einem Jahr auf das andere nicht mehr, die Videotheken machen es ihnen nach, und den Zeitungen und Buchverlagen wird es genauso gehen, da hilft kein Gejammer und Gezeter – früher gingen schon einmal die Leinweber, die Seiler und die Hufschmiede. Die digitale Revolution hat eine Kraft, die nicht mehr zu bremsen ist.

Verlust der kulturellen Identität, der literarischen Kultur, Barbarisierung?

Aber geschieht mit dem eBook und der Aufgabe des alten Buchdrucks nicht ein Verlust an Kultur, an Haptik, an Ruhe, an geistiger Konzentration? Und: wer will den ganzen Tag am Bildschirm sitzen?

Nun sind die Reader und Tablets keine Computerbildschirme mehr. Sie bieten ein ruhiges Schriftbild, lassen sich einfach handhaben im Buchformat. Dennoch: Ja, das ist so.

Das ist so, wenn man, wie im Augenblick bei Amzon im Kindl üblich, einen Buchtext 1 zu 1 in den Computer gibt und mit einem ePub Programm umwandelt. Das kann man immer besser oder schlechter machen, aber es bleibt dabei, es handelt sich um schwarze Buchstaben auf weissem, gelblichem oder schwarzem Hintergrund, und die Tatsache, dass ich es schnell laden und kaufen kann, dass es etwas billiger ist, dass ich leicht wieder die Stelle einstellen kann, an der ich beim letzten Lesen stehen geblieben bin, entschädigt nicht dafür, dass es eben leider kein schönes Buch ist. Nehme ich da nicht lieber ein normal gedrucktes Buch zur Hand?

Oder wiederholt sich nicht etwas, was man aus früheren Umwälzungen und Neuerungen kennt? Damals fuhr man in Autos, die der Postkutsche ähnlich waren, mit furchtbar lauten und  schmutzigen Motoren durch die Landschaft.

Haben wir es mit den eBooks, die eigentlich nur das gedruckte Buch elektronisch nachahmen, die keineswegs die neuen, die elektronischen Möglichkeiten übernehmen und umsetzen, nicht auch mit Übergangsphänomenen zu tun, die nicht mehr sind als das?

Ein wirkliches eBook kann mehr: das zeigt das Authoring Programm, das Apple kurz nach dem Tod von Steve Jobs herausbrachte.