Zum crossmedialen eBook „Stadtwald“

 

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Ja, ich war dabei, als 1981 und dann 1982 die Bürgerintiativen in Mörfelden gegen den Ausbau der Startbahnwest protestierten. Ich war auf den Demos, ich war im Stadtwald in den Hütten, ich war Augenzeuge. Nichts, was dieser Text enhält ist, ist bloss erfunden, wehalb sich auch alles, was hier dargestellt und beschrieben wird, bis ins Detail genau historisch belegen lässt.

Aber es geht hier nicht um Erinnerungspoesie, und es geht zum wenigsten um meine persönlichen Probleme während dieser Zeit.

Dass Hieronymos – mehr ein Name als eine Figur, die genau und konkret sein soll – sein „Ich“, sein Selbstbewusstsein findet und sich vor allem wieder findet mit den anderen zusammen, sich als „Wir“ bestätigt sieht, ist deshalb auch nicht ein individuelles Gefühl dieses Mannes, sondern gibt das wieder, was alle damals empfunden und gewusst hatten: wir machen etwas Wichtiges, Richtiges, wir kämpfen gegen die Zerstörung eines Naherholungswaldes, gegen den Ausbau des Flughafens, wir vertreten die Interessen der dort Wohnenden, für die der Lärm Tag und Nacht unerträglich ist.

Dieses Selbstbewusstsein und Wir-Gefühl hat sich bis heute, bis 2014, in die heutigen Montagsdemonstrationen am Frankfurter Flughafen erhalten. Es sind natürlich einzelne Persönlichkeiten, die die Organisation machen, was einen großen Respekt verdient. Aber sie würden nicht durchgehalten haben, wenn dieses Wir-Gefühl nicht immer mehr gewesen wäre, als ein gefühlig, schon gar nicht sentimental. Es ist getragen von einem Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft, die Welt, in der wir leben und unsere Kinder leben werden, und diesem Bewusstsein ist keine Beliebigkeit eigen.

Das Buch ist ein Audiobook, musikalisch als elektronisches Musikstück komponiert von Andreas Mügge, während die Flugzeuge in Hanau über sein Studio im Tieflug donnerten, eingesprochen von Peter Heusch, der bis zu seinem Tod 2014 an den Montagsdemonstrationen teilgenommen hatte und dem es sehr am Herzen lag, obwohl er gesundheitlich angeschlagen war, diesen Text noch einzusprechen.

Die Fotos enstammen dem Archiv der BIMörfelden, einige sind auch privat aufgenommen, so die Fotos von der Mauer.

Das Ganze ist aber nicht nur wegen dem Sprachrhythmus, den Rhythmen der Musik, die vom Sprecher aufgenommen werden, „Dichtung“ – verdichtet: auf Namensnennung, auf blumiges Erzählen oder Parteinahme kann verzichtet werden, denn dieser ökologische Protest steht für viele, die noch notwendig sind und die noch kommen werden.

Als Dichtung aber, ergänzt durch Bild und Ton, kann das Buch eine Komplexität erreichen, die durch eine historische Einordnung und Beschreibung durch Dirk Treber noch ergänzt werden kann – die aber eine Beschreibung und blosse Dokumenation nicht ersetzen kann, weil sie darüber weit hinausgeht.