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Als ,Westler‘ und ,Ungläubiger‘ das angelesene Wissen über den Orient als Spiegel für eine westliche Dichtung zu benutzen, die wiederum selbst eine – teils bewusste, teils eher empathische – Reflexion orientalischer Elemente darstellt, erscheint als eine Art praktischer Interkulturalismus, dessen Ergebnis eine Mini-Bilanz der Gemeinsamkeiten und Unterschiede, der Verbindungs- und Anknüpfungspunkte, aber auch der Diskontinuitäten sein könnte, von denen unser Zeitalter geprägt ist. 

Die dem deutschen Leser von „FEUER“ beigegebenen Anmerkungen dienen somit nicht dazu, die dem orientalistisch nicht Vorgebildeten vielleicht verborgenen Bezüge dieser Texte zu „offenbaren“ oder gar ihre Sinn zu „erklären“, was mit ziemlicher Sicherheit auf die Dekonstruktion dieser Texte hinausliefe.

Vielmehr geht darum, zu einer neuen Art der Lektüre orientalisch-okzidentalischer Übergangsphänomene anzuleiten, die auf den marktwirksamen Zauber des Exotischen ebenso verzichtet wie auf den panischen Duktus der politischen und militärischen Bedrohungsszenarien, und die dort ansetzt, wo Goethe vor fast zwei Jahrhunderten aufhörte. 

(Aus dem Vorwort zum eBook von PD Dr. Michael Reinhard Hess)

 

Feuerträger,

deine Fackel wurde angezündet

an den Ölfeuern des Wüstenlandes

und weitergetragen,

sie wurde angezündet

von den Versen der Tänzer

und weiter getragen,

sie wurde vom Hauch der Flöte angezündet

und weitergetragen.

Seit ich dich sah,

den Anzündenden mit der Fackel,

sieht mein Auge mit deinen Augen.

Meine Zeit ist in deiner Zeit.

Ich habe gelernt,

deine Sprache zu sprechen.

…….

Glühende sind wir alle, die wir doch nicht verstehen.

(Zitat: Hölderlin) 

 

 

Ey ateşi taşıyan

meşalen

Kırlar ülkesinin petrol ateşlerinde tutuşturuldu

ve oradan ötelere taşındı

dansçıların mısralarıyla tutuşturuldu 

ve daha ileri taşındı

ney’in nefesiyle tutuşturuldu

ve daha öteye taşındı

Seni göreli

tutuşturanı, meşalenle,

benim gözüm senin gözlerinle görüyor.

Benim zamanım senin zamanındadır

Senin dilinle

konuşmayı öğrendim.


Adelheid Seltmann, 
Westöstlich Feuer Teil 1 und 2 —- West Eastern Fire Part 1 and 2 

(Die Veröffentlichung der türkischen Übersetzung von Michael Reinhard Hess ist in Vorbereitung)

7,99 € crossmedia eBook mit Videos Auf dem iPad und Mac verfügbar. 

Kategorie: Dichtung Erschienen: 01.10.2014 Verlag: entire3 Berlin Druckseiten: 174 Seiten, Sprachen : deutsch, english, türkiye

 

Videobilder, Joerg Franzmann

 

Feuerglanzfeuer

 

 

 

 

 

 

 

Ohne Titel

Bann des feuers


 

 

 

 

 

 

 

Der Textzyklus „Feuer“ zeichnet den Verlauf einer Liebesgeschichte, in der über die konkrete Metapher „Feuer“ individuelle Gefühle sich objektiviert und zugleich intensiviert darstellen. 

Damit wird an die Traditionen des Sufismus sowohl wie an die literarische des „westöstlichen Diwan“ von Goethe und später Rückert anknüpfend ein Prozess kultureller Auseinandersetzung und Bereicherung fortgeführt, der im 21. Jahrhundert durch die aktuellen politischen Konstellationen von besonderer Brisanz ist.

Die Bücher werden ergänzt durch Videos bzw. Tiffs von Joerg Franzmann und einer Einleitung des Turkologen Michael R.Hess, der auch erklärende wissenschaftlich instrumentierte Kommentare zu den einzelnen Texten hinzugefügt hat, die die Texte in einen erweiterten Kontext stellen und einen historischen Verstehenshorizont eröffnen.