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Liebe Freunde bei Facebook, liebe „likes Freunde“ – ich bin froh, dass es euch gibt!

Nein, ich beklage nicht den Algorithmus der Facebook Seite: das was ich veröffentlicht habe, ist veröffentlicht und so gemacht, dass es alle erfahren sollen. Aber ich schätze sehr, dass ich über euch mehr weiss und auf euren Seiten erkennen kann, als nur Zahlen auf dem Konto oder Köpfe im Dunkel hinter meiner Vor – Leselampe, dass ich euch mir als Personen vorstellen kann, geheimnisvoll genug, rätselhaft sehr oft, manchmal bin ich erstaunt, manchmal berührt,
aber eben mit Gesichtern, Bewegungen, Vorlieben und Bildern.

Ich bin kein Voyeur, aber ich überwinde in Facebook das desolate Gefühl der Einsamkeit der Poetin hinter ihren fertigen Texten – und das tut gut, wirklich!

Schreiben ist eine einsame Arbeit, und diese Einsamkeit in der primäre Phase der Produktion ist nicht lästig, sondern notwendig.

Wenn ich schreibe, bin ich geradezu süchtig nach Einsamkeit und betrachte jeden Versuch, in meine Schreibwelt einzubrechen, als Hausfriedensbruch, gegen den ich mich wehre.

Am liebsten schreibe ich in einer Umgebung mit fremder oder mir nicht sofort verständlicher Sprache im Ausland. Dann sirren die Gespräche um mich herum, aber ich bleibe mit meinen deutschen Worten und Sätzen ungestört bei mir.

Die andere Wahrheit ist jedoch: ich schreibe nicht für mich. Ich schreibe kein Tagebuch, und sowieso ist es kein „autobiographisches Schreiben“, was ich da veranstalte.

Richtig ist, es sind meine Sätze und Gedanken und meine Erfahrungen mit den Menschen, die mich umgeben, die ich einbringe in meine Texte. Aber sie werden gefiltert, sie durchlaufen Prozesse einer phantastischen Umgestaltung mit verschiedenen Amalgamierungen, so dass ihre ursprünglichen Konkretheit nahezu unkenntlich ist.

Ich vermeide es deshalb, konkrete Namen zu nennen, am besten überhaupt Namen  zu nennen, die nicht deutlich konstruiert oder von einer gewissen Abstraktheit sind, ebenso keine konkreten Orte, Zeiten oder Daten, denn solche Zuweisungen lenken nur ab oder machen Ablenkungen möglich. Meine Texte möchten zutreffen, es sollte ihnen gelingen, „ins Schwarze zu treffen“ –  zum Nachdenken anzuregen.

Dann aber, wenn sie fertig sind, müssen sie heraustreten aus der Einsamkeit der Produktion, abgeliefert und ausgeliefert im Buch oder im Download bei Amazon oder iTunes, je nachdem. In jedem Fall sind sie der Öffentlichkeit preisgegeben, müssen sie vor ihr bestehen, muss ich vor der Öffentlichkeit mit ihnen bestehen.

Jetzt wird die primäre Einsamkeit aber zum Problem. Ein Buch ist ja ganz schön, aber ich weiss nur aus den Abrechnungen des Verlages, der von Amazon oder vom iBook Store, dass und wie viele Bücher verkauft wurden – mehr nicht. Zahlen, nur Zahlen – und der anfänglich Stolz, dass sie ja da sind auf den Webseiten und in den Katalogen, legt sich schnell.

Mache ich Lesungen oder stelle ich die Texte und Videos in Events dar, sitze ich unter einer Lampe – vor mir das Publikum, aber es sind leider nur Köpfe und Gestalten im Halbdunkel, die ich, abgesehen von den paar Freunden, die gekommen sind, nicht weiter kenne. Manchmal gibt es Diskussionen, das ist wunderbar und macht Mut, aber im Ganzen wird mir mein Publikum nicht wirklich bekannt, der Abend geht vorbei – ich bleibe zurück, und diese Einsamkeit ist nicht beruhigend.