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Videobild Joerg Franzmann

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Für die Schülern und Absolventen einer Gesamtschule in Berlin-Neukölln oder Frankfurt Griesheim, gibt es nicht einmal das: eine Arbeit, mit der sie genügend Geld zu verdienen die Möglichkeit hätten. Sie scheitern meistens in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch, weil diese Sprachen für sie, die zu Hause arabisch, berberisch, türkisch, bosnisch oder einer andere Muttersprache  sprechen, eine Fremdsprache ist und bleibt, die sie nicht ausreichend zu lernen und beherrschen in der Lage sind, so dass viele von ihnen keinen Schulabschluss erhalten.

Zunehmend werden einige von ihnen, wohl besonders auch wegen dieser Perspektivlosigkeit, Opfer der Versprechungen der Salafisten und schliessen sich  – wie die letzten Monate gezeigt haben –  töricht und verblendet dem Dschihad Kämpfern im Irak oder  Syrien an: Allah ist gross, wir folgen ihn, was im Koran steht, ist unser Masstab, unsere Moral und unser Gesetz.

Die gefährliche Anfälligkeit dafür ist nicht Schuld der meist bemühten Lehrer und Sozialarbeiter, die in der Regel nicht über einem ausreichenden Etat verfügen, mit dem sie wirklich effektiv gegen die Mißstände in den Schulen angehen können.

Es ist die Schuld einer Gesellschaft, die grundsätzlich davon ausgeht, dass die ausländischen Mitbürger sich gefälligst anzupassen hätten. Integration heisst in Deutschland für die Schüler mit „Migrationshintergrund“ immer noch: dass sie die eigene kulturelle Identität aufgeben und die neue, die deutsche, die westliche annehmen. Kein Lehrplan in deutschen Schulen unterrichtet in osmanischer Geschichte, die Schüler aus dem Irak oder aus Syrien erfahren dort nichts über die wunderbare Musik ihrer Länder, nichts über die Poesie, nichts über die Jahrtausende alte Geschichte und Kultur ihrer Heimat: stattdessen steht auf dem Lehrplan der Bauernkrieg im deutschen Mittelalter zum Beispiel, Mozart und Goethe. Wieso auch nicht: Lehrplan ist Lehrplan, und die Lehrer selber kennen die Kultur und Geschichte der Herkunftsländer ihrer Schüler meist nicht wirklich, wurden dafür nicht geschult. Man redet aneinander vorbei, und die Kluft tut sich jetzt, sogar in der zweiten und dritten Generation immer mehr auf.

Es wird Zeit, dass wir nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen westlichen Welt dies ändern, dass wir die anderen Kulturen nicht nur in Festivals zu Worte kommen lassen, ein „Haus der Kulturen“ bereit stellen, sondern ernsthaft ihre Werte wahrnehmen, aufnehmen und verarbeiten, Werte, die nicht nur und in jedem Fall nicht unbedingt muslimisch oder sonstwie religiös gebunden sind.